Das FarmerSpace Team

Digitales Experimentierfeld für Pflanzenschutz: „FarmerSpace“

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert derzeit 14 Projekte – digitale Experimentierfelder – um digitale Techniken für Pflanzenbau und Tierhaltung zu erforschen und deren Praxistauglichkeit zu testen. Wir sprachen mit den Forscherinnen und Forschern des Projektes „FarmerSpace“, die mit ihrem Projekt in den Sozialen Medien sehr aktiv sind:

Was hat Sie als (Agrar-)Wissenschaftler/innen bewegt, mit Ihrem Projekt in die Sozialen Medien zu gehen?

FarmerSpace ist eines der 14 digitalen landwirtschaftlichen Experimentierfelder in Deutschland. Unser Schwerpunkt liegt auf der Optimierung von Pflanzenschutz und mittels moderner digitaler Technologien. Wir haben uns dazu entschlossen, in den sozialen Medien präsent zu sein, um eine praxisnahe Versuchsplattform für verschiedene Akteure in der Landwirtschaft zu bieten. Unser Ziel ist es, als eine Art Wissenstransfer-Plattform zu dienen, die eine Zusammenarbeit und Wissensaustausch verschiedener Gruppen aus Landwirtschaft, Forschung, Beratung und Industrie im Agrarbereich ermöglicht. Wir sind davon überzeugt, dass die gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit fortschrittlichen Technologien Landwirte in die Lage versetzen werden, ihre Felder noch effizienter und nachhaltiger zu bewirtschaften.

In Sozialen Medien gehen meist nur einfache Botschaften viral – wie schafft man das mit wissenschaftlichen Themen?

Wir bemühen uns, wissenschaftliche Themen in verständlicher und praxisgerechter Sprache darzustellen und diese wiederum in kurzen und klaren Beiträgen zu präsentieren. Dazu verwenden wir visuell ansprechende Bilder, informative Videos und interaktive Inhalte wie beispielsweise unser „FarmerSpace Insta-Friday-Quiz“ auf Instagram. Dieses Format bietet alle zwei Wochen ausführliche Erklärungen sowohl zu wissenschaftlichen Begriffen als auch zu landwirtschaftlichen Fachthemen. Zusätzlich verwenden wir inhaltlich relevante Hashtags und greifen stets aktuelle wissenschaftliche Themen aus den für uns relevanten Bereichen auf.

Und nun mal ein Test zur Vereinfachung: Wie würden Sie das Projekt „FarmerSpace – Digitaler Pflanzenschutz“ z.B. Kindern erklären?

Eine interessante Frage… FarmerSpace „Digitaler Pflanzenschutz“ kinderleicht erklärt 😉

Wir würden es so erklären:

Stelle dir einen Bauernhof vor – was gibt es dort? Tiere, große Maschinen, Felder, einen Bauern oder eine Bäuerin, richtig?

Der Bauer baut auf seinem Feld Pflanzen an, um sich selbst und seine Tiere zu ernähren. Er verwendet seinen Trecker und andere Maschinen, um Samen in die Erde zu bringen. Mit der Zeit beginnen die Pflanzen auf dem Feld zu wachsen.

Aber nach einer Weile stellt der Bauer fest, dass er nicht sicher ist, wie es seinen Pflanzen geht. Er fragt sich, ob sie ausreichend bewässert sind und ob Unkräuter ihnen Sonnenlicht, Wasser und Nährstoffe entziehen. Dies würde sich negativ auf die Blattgesundheit auswirken und das wäre sehr schlecht für seine Pflanzen.

Jetzt kommt FarmerSpace ins Spiel. FarmerSpace ist ein Experimentierfeld oder vielleicht einfacher gesagt, ein Ort, an dem der Bauer auf viele verschiedene Menschen trifft. Sie erarbeiten Ideen, um die Gesundheit der Pflanzen zu ermitteln und zu verbessern. Diese Leute wissen viel über die Landwirtschaft und andere Themen. Ein Beispiel hierfür ist die Art und Weise, wie Roboter ihre Umgebung wahrnehmen, verstehen und im Pflanzenschutz eingesetzt werden, um den Menschen wertvolle Informationen zu liefern. Dadurch kann in Zukunft sichergestellt werden, dass Pflanzen vor Krankheiten geschützt sind und sich gesund entwickeln können.

Dort kann der Bauer nun seine Sorgen und Fragen teilen. Die Menschen bei FarmerSpace versuchen dann, dem Bauern bei seinen Problemen zu helfen. Sie denken gemeinsam über Ideen nach, wie man die Probleme des Bauern einfach lösen kann. Zum Beispiel könnten sie ihm einen Roboter vorschlagen, der ihm bei der Arbeit hilft und ihm den Zustand seines Feldes mitteilt. FarmerSpace testet neue digitale Technologien und kommuniziert die Ergebnisse, bevor der Bauer selbst entscheidet, einen solchen Roboter auf seinem eigenen Feld einzusetzen.

Das Hauptziel von FarmerSpace ist es, bessere Möglichkeiten für den Bauern zu finden, um seine Pflanzen gesund und robust zu halten. Wir streben danach, Bauern und Bäuerinnen dabei zu unterstützen, die Landwirtschaft erfolgreicher und umweltfreundlicher zu gestalten.

Die verwendete Technik in der Landwirtschaft wird von vielen Menschen oft noch als einfach zu verstehen und von daher als einfach zu bewerten gesehen – stimmt das heute noch?

Agrartechnik als einfach und nicht komplex zu sehen kann sich je nach Perspektive und Wissenstand enorm unterscheiden. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die modern verwendete Agrartechnik heutzutage leistungsstärker und anspruchsvoller geworden ist.

Die Komplexität der eingesetzten Technologien wie z.B. GPS, Drohnen, fortgeschrittene Sensorik möchte mutmaßlich niemand bestreiten, zumindest wenn es um ein tiefergehendes Verständnis geht, das über die Nutzung hinausgeht. Den wenigsten Personen, die solche Technologien benutzen, ist die technische Funktionsweise eines GPS-Empfängers oder eines Motorsteuergeräts bekannt. Die meisten Techniken wurden auch nicht originär für die Agrarbranche entwickelt, finden hier aber trotzdem Anwendung. Relevant ist an dieser Stelle den agronomischen Sachverstand mit einem Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Technologie zu kombinieren, um das Potenzial realistisch zu bewerten und Technik zielgerichtet einzusetzen. Moderne Sensorik eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, Parameter kleinräumig auf den Äckern zu erfassen. Diese Informationen sinnvoll für den Einsatz von Managementwerkzeugen zu nutzen oder sogar neue Technik zu entwickeln, ist die Herausforderung.

Was kann die (Agrar-)Wissenschaft dafür tun, um die Weiterentwicklung der Landwirtschaft in der Gesellschaft bekannter zu machen und ihr ggf. auch Ängste vor neuen Technologien nehmen?

Die Agrarwissenschaft sollte vorausschauend daran arbeiten, die Vorteile moderner landwirtschaftlicher Technologien zu betonen, während sie gleichzeitig auf die Bedenken und Ängste der Gesellschaft eingeht.

Die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler*innen, Landwirt*innen und der breiten Öffentlichkeit sind entscheidend, um die Weiterentwicklung der Landwirtschaft in der Gesellschaft positiv zu fördern.

Gerade der Pflanzenschutz ist ja mit vielen Ängsten behaftet – wie realistisch ist es, dass man mit dem Einsatz von Präzisionsspritzen und Hackrobotern auf den landwirtschaftlichen Betrieben manche „Wutbürger am Feldrand“ begeistern, statt verärgern kann?

Zunächst einmal möchten wir darauf hinweisen, dass das Wort „Wutbürger“ möglicherweise zu stark ist. Es handelt sich oft um Menschen mit Vorbehalten und Unwissenheit gegenüber neuen Technologien, was an sich nicht verwerflich ist.

Unsere Aufgabe besteht darin, in einen respektvollen Dialog mit diesen Personen zu treten und behutsam nach ihren Bedenken in Bezug auf neue Technologien zu fragen. Wir sollten bemüht sein, ihre Sorgen nachvollziehen zu können.

Soziale Medien spielen hierbei eine entscheidende Rolle im Wissenstransfer. Die Digitalisierung ermöglicht es, auf verschiedenen Plattformen Informationen über moderne Pflanzenschutztechnologien zu teilen. Transparente Kommunikation betont hierbei positive Beispiele und fördert das Verständnis für innovative Ansätze.

Es ist entscheidend, die Perspektiven dieser Menschen zu verstehen und zu erklären, wie moderne Technologien zu effizienterem und umweltfreundlicherem Pflanzenschutz beitragen können. Über soziale Medien können wir direkt mit diesen Personen oder Gemeinschaften kommunizieren, Fragen beantworten und eine offene Diskussion über Chancen und Herausforderungen führen. So können Missverständnisse geklärt, Ängste abgebaut und gemeinsam nachhaltige Lösungen gesucht werden.

Wichtig ist also, dass mögliche Risiken neuer Technologien ernst genommen werden, gleichzeitig aber auch die sich ergebenden Vorteile neutral betrachtet und gegeneinander aufgewogen werden.

(Titelbild: Das FarmerSpace Team)

Alle Infos zu FarmerSpace: www.farmerspace.uni-goettingen.de

Einblick in FarmerSpace: Starrflügler-Datenaufzeichnung für präzises 3D-Geländemodell bei der 3D Challenge

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